Sensation: Das verschollene Originalgemälde von Kitty's Salon ist wieder aufgetaucht
Jahrelang waren wir auf der Suche nach dem Gemälde der berühmt-berüchtigten Nazibordell-Besitzerin Kitty Schmidt. Jetzt wurde die verschollene Madame in Öl gefunden. Das Gemälde hing 24 Jahre lang in einem Wohnzimmer in Spandau, nur wenige Kilometer vom ehemaligen Salon Kitty entfernt. Von Fotos wussten wir immer, dass das Gemälde existiert und nicht mehr in Familienbesitz war. Dass wir es nun gefunden haben, ist für uns von großer Bedeutung. Es gibt nur eine Handvoll Fotos von Kitty und dann auch nur in schwarz-weiß.
Forensisches Gutachten enthüllt die Geheimnisse
Was wie eine bloße Wiederentdeckung begann, entwickelte sich im Laufe der vergangenen Monate zu einer wissenschaftlichen Spurensuche. Unter der Leitung der renommierten Berliner Sachverständigen Petra Breidenstein und der Restauratorin Marion Korb von der Bundeskunsthalle in Bonn wurde das Werk im Berlin Story Bunker einer umfassenden Analyse unterzogen. Das nun vorliegende Gutachten sowie Laborberichte der Universität Erfurt ziehen einen Schlussstrich unter alle Zweifel an der Echtheit des Werkes. Das Gutachten belegt, dass das Porträt aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich in den späten 1920er-Jahren entstand und vermutlich eine junge Kitty im Stil der Kaiserzeit zeigte. In einer zweiten Phase – Ende der 1930er- oder Anfang der 1940er-Jahre – wurde das Bild jedoch offenbar „modernisiert“. Das Werk trägt die Signatur „Fuchs“. Die Forschung deutet auf den in Wien geborenen Robert Fuchs (1896–1981) oder Rudolf Fuchs (1892–1985), ein Schüler der Münchner Akademie, hin. Auffällig ist die variierende Qualität: Während Gesicht und Haare mit meisterhafter Präzision ausgeführt sind, wirken Hände und Kleidung im Vergleich fast dilettantisch – ein Hinweis darauf, dass eventuell mehrere Personen am Werk arbeiteten oder spätere Korrekturen vorgenommen wurden.
Spurenvernichtung nach 1945
Besonders brisant: Die Rückseite des Gemäldes wurde vermutlich nach 1945 vollständig überstrichen. Die Experten vermuten dahinter den Versuch, belastende Stempel oder Kennzeichnungen aus der NS-Zeit zu verbergen – eine stumme Erinnerung an die Rolle von Kittys Salon als diplomatisches Bordell und Spionage-Hotspot während des Dritten Reiches.
Ein authentisches Zeugnis unmittelbarer Nähe
Trotz der späteren Übermalungen hält das Gutachten fest: Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Lebensbildnis. „Wir können davon ausgehen, dass das Gemälde von Kitty Schmidt persönlich beauftragt wurde und sie dem Künstler – vermutlich Robert oder Rudolf Fuchs – tatsächlich gegenübergesessen hat“, so das Resümee der Sachverständigen Petra Breidenstein. Damit ist es das einzige bekannte farbige Originalzeugnis aus dem direkten Umfeld der Frau, die eines der berüchtigtsten Etablissements der Weltgeschichte leitete.
Vom Wohnzimmer ins Museum
Ab dem 2. April 2026 ist das Porträt als Highlight der Sonderausstellung „Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“ bis zum 25. Oktober 2026 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen. Danach kehrt das Originalgemälde in den Berlin Story Bunker zurück und ist wieder Teil des Dokumentationszentrums „Hitler – wie konnte es geschehen“, wo Informationstafeln die Besucher über die Hintergründe von Kitty Schmidt und ihrem Bordell aufklären.